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Thyristor
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Thyristor ist die Bezeichnung fĂŒr ein Bauteil in der Elektrotechnik. Es ist ein Kofferwort aus den beiden Bezeichnungen Thyratron und Transistor.cite-ref-1[1]

Ein Thyristor ist ein Halbleiterbauelement, das aus vier oder mehr Halbleiterschichten wechselnder Dotierung aufgebaut ist. Thyristoren sind einschaltbare Bauelemente, das heißt, sie sind im Ausgangszustand nichtleitend und können durch einen kleinen Strom an der Gate-Elektrode eingeschaltet werden. Nach dem Einschalten bleibt der Thyristor auch ohne Gatestrom leitend. Ausgeschaltet wird er durch Unterschreiten eines Mindeststroms, des sogenannten Haltestroms.

Contents

‱ Allgemeines
‱ Einschalten
‱ Abschalten
‱ Geschichte
‱ Varianten
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Aufbau und Funktionsweise

Allgemeines

Der Thyristor hat drei pn-ÜbergĂ€nge in der Folge pnpn. Wie eine Diode hat er eine Anode und eine Kathode, im Vergleich zur Diode kommt noch ein Gate-Anschluss dazu.

Im Grundzustand ist der Thyristor in beiden Richtungen sperrend. In Durchlassrichtung sperrt er bis zu einer bestimmten ZĂŒndspannung (Nullkippspannung fĂŒr eine Gate-Kathoden-Spannung von 0 V). Durch einen positiven Stromimpuls am Gate kann er auch unterhalb der ZĂŒndspannung in den leitenden Zustand geschaltet werden. In Sperrrichtung sperrt er den Strom wie eine normale Diode.

Thyristoren arbeiten je nach Anforderungen in einem der folgenden drei ZustÀnde:

‱ VorwĂ€rtsleitend (forward conducting): Dies ist der primĂ€re Betriebsmodus eines Thyristors. Er wird in den leitenden Modus geschaltet und bleibt in diesem Zustand, bis der Strom unter einen bestimmten Wert fĂ€llt, der als Haltestrom bezeichnet wird.
‱ VorwĂ€rtssperrend (forward blocking): Der Thyristor blockiert den Stromfluss, obwohl Spannung in die Richtung angelegt wird, die einer Diode signalisieren wĂŒrde, ihn zu leiten.
‱ RĂŒckwĂ€rtssperrend (reverse blocking ): Der Strom versucht, in die entgegengesetzte Richtung durch den Thyristor zu fließen. Eine Diode blockiert ihn jedoch und der Thyristor wird nicht aktiviert.

Es gibt mehrere Möglichkeiten der ZĂŒndung:

‱ Konventionelle

‱ Steuerstrom (ein positiver Strom oder Stromimpuls am Gate),
‱ LichtzĂŒndung (Fotothyristor)

‱ Unkonventionelle, meist unzulĂ€ssige

‱ Überschreiten der Nullkippspannung (ÜberkopfzĂŒndung bzw. Breakover). Nur zulĂ€ssig beim sogenannten Dynistor, einer speziellen Bauform von Thyristor, welche die ÜberkopfzĂŒndung erlaubt und das Nachfolgebauelement der ehemaligen Shockley-Diode darstellt.
‱ Überschreiten der zulĂ€ssigen Spannungsanstiegsgeschwindigkeit
‱ Temperaturerhöhung

Praktisch wird der Thyristor als steuerbare Diode eingesetzt.

Einschalten

Durch Strominjektion in die dritte Schicht (Ansteuerung am Gate) kann der Thyristor gezĂŒndet (leitfĂ€hig geschaltet) werden. Voraussetzung dafĂŒr ist eine positive Spannung zwischen Anode und Kathode sowie ein Mindeststrom durch die mittlere Sperrschicht. Charakteristisch fĂŒr den Einschaltvorgang des Thyristors ist dabei, dass der Vorgang durch eine Mitkopplung unterstĂŒtzt wird. Der Ablauf des Einschaltvorgangs ist daher – im Gegensatz zu anderen Leistungshalbleitern – nicht ĂŒber das Gate in der Geschwindigkeit zu beeinflussen. Problematisch ist die Stromdichte in der dritten Schicht beim ZĂŒndvorgang. Beim Injizieren der Elektronen wird die Schicht an der Eintrittsstelle leitend. Bis die gesamte SiliziumflĂ€che leitend ist, konzentriert sich der Strom auf den schon leitenden Bereich, in dem die gesamte Verlustleistung umgesetzt wird. Dabei kann die Verlustleistungsdichte den zulĂ€ssigen Wert ĂŒberschreiten und zu örtlichen Temperaturerhöhungen ĂŒber die Diffusionstemperatur oder gar die Schmelztemperatur (1683 K) des Siliziums hinaus fĂŒhren. Deshalb ist es wichtig, dass die Stromanstiegsgeschwindigkeit (kritische Stromsteilheit) einen gewissen Wert nicht ĂŒbersteigt, was jedoch in den meisten FĂ€llen durch InduktivitĂ€ten der Last und der Leitungen sichergestellt ist. Soll eine kapazitive Last geschaltet werden, muss die Stromanstiegsgeschwindigkeit ggf. durch Zusatzmaßnahmen begrenzt werden. Bei stark induktiven Lasten hingegen eilt der Stromanstieg dem Spannungsanstieg nach. Es kann daher dazu kommen, dass unmittelbar nach Erlöschen des ZĂŒndimpulses der sogenannte Einraststrom noch nicht erreicht wird, darunter versteht man den Mindestwert des Stromes, welcher durch den Thyristor fließen muss, damit dieser beim Einschalten auch ohne Gatestrom leitfĂ€hig bleibt. Das fĂŒhrt zu undefinierten SchaltvorgĂ€ngen, welche auch von (mit Triacs arbeitenden) Wechselstromdimmern (Phasenanschnittsteuerung) her bekannt sind, dabei kann man oft ein Flackern von derart gesteuerten Lampen im unteren Lastbereich beobachten. Um den Effekt zu vermeiden, wird ein Snubber-Netzwerk eingesetzt, darunter versteht man ein RC-Glied (Serienschaltung eines Widerstandes und eines Kondensators, typische Werte: 470 Ω und 100 nF), welches zwischen Anode und Kathode der Thyristorstrecke geschaltet wird. Beim ZĂŒnden entlĂ€dt sich der Kondensator ĂŒber den Widerstand und den Thyristor und stellt damit fĂŒr kurze Zeit einen kleinen Strom zur VerfĂŒgung, um den Einraststrom zu ĂŒberschreiten. Oft findet man bei Thyristorschaltungen auch eine in Serie geschaltete Drosselspule zur Funkentstörung.

Abschalten

Gelöscht (also in den Sperrzustand versetzt) wird der Thyristor entweder durch Unterschreiten des Haltestroms (engl. Holding Current), was im Allgemeinen beim Abschalten oder Umpolen der Spannung im Laststromkreis oder beim Strom-Nulldurchgang des Lastkreises (z. B. im Gleichrichter) geschieht, oder durch Umpolen in die Sperrrichtung. Die Geschwindigkeit dieses Vorgangs wird durch die Freiwerdezeit tq begrenzt, die erforderlich ist, damit der Thyristor nach Beendigung der Stromleitungsphase wieder seine volle Steuer- und SperrfĂ€higkeit erhĂ€lt. Diese wird erst wieder erlangt, wenn die dafĂŒr maßgebende mittlere Sperrschicht durch Rekombination von LadungstrĂ€gern gerĂ€umt ist. Die Freiwerdezeit ist eine Bauteileigenschaft und wird im Datenblatt angegeben. Je nach Typ kann sie 10 bis 400 ”s betragen. Die Freiwerdezeit erfordert im Moment des Erlöschens bei induktiven Verbrauchern eine Begrenzung der Spannungsanstiegsgeschwindigkeit, das geschieht ebenso durch das oben erwĂ€hnte Snubber-Netzwerk. Andernfalls (die InduktivitĂ€t fĂŒhrt noch den Haltestrom) kann es zur spontanen WiederzĂŒndung („Über-Kopf-ZĂŒnden“) kommen. Neuere Thyristoren („snubberless“-Typen) sind in der Lage, diesen Spannungsanstieg auch ohne RC-Glied zu bewĂ€ltigen.

Zu beachten: Der Haltestrom (Holding Current) ist jener Strom, der mindestens durch den leitfĂ€higen Thyristor fließen muss, damit dieser leitfĂ€hig bleibt. WĂ€hrenddessen versteht man unter dem Einraststrom (Latching Current) jenen, der unmittelbar nach Erlöschen des Gate-Impulses fließen muss, damit der Thyristor nicht augenblicklich wieder in den Sperrzustand zurĂŒckfĂ€llt. Beide Ströme sind Bauteilcharakteristika und werden in den DatenblĂ€ttern angefĂŒhrt, manchmal findet man nur den Haltestrom. Der Einraststrom ist immer etwas höher als der Haltestrom, beide liegen aber in derselben GrĂ¶ĂŸenordnung (fĂŒr Kleinleistungsthyristoren typisch unter 100 mA, fĂŒr große Scheibenthyristoren einige 100 mA).

Speziell dafĂŒr ausgelegte Varianten (GTO-Thyristoren) können auch durch einen negativen Stromimpuls am Gate in den Sperrzustand versetzt werden. Die erforderliche StromstĂ€rke des negativen Löschimpulses ist jedoch um GrĂ¶ĂŸenordnungen höher als die des ZĂŒndimpulses. HĂ€ufig wird zur Bereitstellung des Löschimpulses ein geladener Kondensator an den Gate-Anschluss geschaltet.

Schalteigenschaften

Der Übergang vom Zustand VorwĂ€rtssperrend in den Zustand VorwĂ€rtsleitend hat eine bestimmte Dauer, die sogenannte Einschaltzeit eines Thyristors, die in Verzögerungszeit (delay time), Anstiegszeit (rise time) und Ausbreitungszeit (spread time) unterteilt ist. Nach Anlegen des Gatestroms beginnt der Thyristor in einem sehr kleinen Bereich zu leiten. Die Verzögerungszeit kann als die Zeit definiert werden, die der Gatestrom benötigt, um von 90 % auf 100 % seines Endwerts anzusteigen. Anders betrachtet ist die Verzögerungszeit das Intervall, in dem der Anodenstrom vom VorwĂ€rtsleckstrom auf 10 % seines Endwerts ansteigt und gleichzeitig die Anodenspannung von 100 % auf 90 % ihres Anfangswerts fĂ€llt. Die Anstiegszeit eines Thyristors ist die Zeit, die der Anodenstrom benötigt, um von 10 % auf 90 % seines Endwerts anzusteigen. Gleichzeitig fĂ€llt die Anodenspannung von 90 % auf 10 % ihres Anfangswerts. Die fallende Anodenspannung und der steigende Anodenstrom hĂ€ngt von der Art der Last ab. Schließt man eine induktive Last an, fĂ€llt die Spannung schneller ab als der Strom steigt. Das liegt daran, dass die Induktion keine anfĂ€nglich hohe StromĂ€nderung durch sich zulĂ€sst. Schließt man andererseits eine kapazitive Last an, lĂ€sst diese keine anfĂ€nglich hohe SpannungsĂ€nderung durch sich zu, weshalb der Strom schneller ansteigt als die Spannung fĂ€llt. Die Ausbreitungszeit eines Thyristors ist die Zeitspanne, die der Anodenstrom benötigt, um von 90 % auf 100 % seines Maximums anzusteigen, wĂ€hrend die Anodenspannung auf ihr Minimum abfĂ€llt. WĂ€hrend dieser Phase weitet sich die Leitung ĂŒber die Kathode aus, wodurch der Thyristor vollstĂ€ndig aktiviert wird. Die Ausbreitungszeit wird durch den Querschnitt der Kathode beeinflusst. Sobald der Thyristor eingeschaltet ist und der Anodenstrom den Haltestrom ĂŒberschreitet, verliert das Gate die Kontrolle. Um den Thyristor abzuschalten, muss der Anodenstrom unter den Haltestrom fallen, und die TrĂ€gerladungen in den vier Schichten mĂŒssen gelöscht werden, bevor die Durchlassspannung wieder angelegt wird.cite-ref-2[2]

Geschichte

Die ersten Thyristoren wurden 1957 bei General Electric (GE) entwickelt, nachdem William B. Shockley, Jewell James Ebers und John Lewis Moll die Vorarbeit an den Bell Laboratories geleistet hatten.cite-ref-3[3] Das Bauteil wurde von GE zunÀchst als SCR (von englisch silicon controlled rectifier, dt. gesteuerter Silizium-Gleichrichter) bezeichnet. Westinghouse stellte wenig spÀter Àhnliche Bauteile her und bezeichnete diese als Trinistor. Die AEG nannte ihre Bauteile zunÀchst steuerbare Siliziumzelle. Der Begriff Thyristor setzte sich erst in den 1960er Jahren durch, im englischen Sprachraum ist jedoch weiterhin SCR gebrÀuchlich.

Der Thyristor war das erste steuerbare Leistungshalbleiter-Bauelement fĂŒr große Leistung und erschloss sich schnell vielfĂ€ltige Anwendungsgebiete. Inzwischen sind Thyristoren in vielen Anwendungen durch andere Leistungshalbleiter verdrĂ€ngt worden, besitzen aufgrund ihrer hohen Schaltleistung und Robustheit aber vor allem im Bereich von Hochstromanwendungen nach wie vor einen großen Marktanteil. Es werden nach wie vor neue Typen mit verbesserten Parametern entwickelt, z. B. mit geringeren ZĂŒndströmen, verbessertem Abschaltverhalten bzw. Robustheit gegenĂŒber steilen Spannungsanstiegen beim Abreißen des Haltestromes an induktiven Lasten, die ansonsten eine Entlastungsschaltung (englisch Snubber) erforderlich machen.

Varianten

Der gebrĂ€uchlichste Thyristortyp ist der siliziumgesteuerte Gleichrichter (englisch silicon-controlled rectifier). Wenn die Kathode im Vergleich zur Anode negativ geladen ist, fließt kein Strom, bis ein Impuls an das Gate angelegt wird. Dann leitet der sliziumgesteuerte Gleichrichter Strom, bis die Spannung zwischen Kathode und Anode umgekehrt oder unter einen bestimmten Schwellenwert oder Haltewert gesenkt wird.

‱ Netzthyristor: Solche Thyristoren sind vorrangig auf Durchlass- und Sperreigenschaften optimiert und haben Freiwerdezeiten von mehr als 100 ”s. Damit sind sie fĂŒr Anwendungen bei Netzfrequenz geeignet.
‱ Frequenzthyristor: Thyristor mit Freiwerdezeit zwischen 8 ”s und 100 ”s fĂŒr den Einsatz mit Löschschaltungen oder in lastgefĂŒhrten Wechselrichtern. Außerdem besitzen Frequenzthyristoren spezielle Gatestrukturen, die schnell eine große FlĂ€che durchschalten und damit einen schnellen Anstieg des Laststromes erlauben.
‱ GTO-Thyristor (Gate Turn Off): Er ist asymmetrisch dotiert und kann an der Steuerelektrode nicht nur gezĂŒndet, sondern auch durch einen negativen Impuls wieder gelöscht werden. Der Löschimpuls muss relativ stark sein. Im Durchschnitt mĂŒssen 30 % des Laststroms kurzzeitig als Löschstrom aufgebracht werden. GTOs benötigen ein Ausschaltentlastungsnetzwerk.
‱ GCT (Gate Commutated Thyristor): Weiterentwicklung des GTO mit niedrigeren Schaltverlusten und fĂŒr den Betrieb ohne Ausschaltentlastungsnetzwerk. Zum Abschalten ist ein Gatestrom in Höhe des Laststroms erforderlich.
‱ IGCT (Integrated Gate Commutated Thyristor): GCT mit fest angebauter Treiberstufe
‱ Thyristortetrode: Sie besitzt an der zweiten und an der dritten Schicht eine Elektrode. Sie kann an beiden Elektroden oder an jeder einzeln gezĂŒndet und gelöscht werden, jeweils mit einem positiven oder negativen Impuls.
‱ Fotothyristor: Er wird nicht durch einen elektrischen Impuls, sondern mit Hilfe von Licht gezĂŒndet. Fotothyristoren kleiner Leistung finden Anwendung als integrierte Bauteile in Optokopplern.
‱ LTT (Light Triggered Thyristor): Hochleistungsbauelement, das wie ein Fotothyristor mit Licht gezĂŒndet wird. Er ist ideal geeignet fĂŒr die Anwendung in Anlagen der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung.
‱ Diac
‱ Triac
‱ ITR (Integrated Thyristor/Rectifier) oder RCT (Reverse Conducting Thyristor): Ein Bauteil, das neben einem Thyristor eine zu ihm antiparallel geschaltete, monolithisch integrierte Diode enthĂ€lt.
‱ Vierschichtdiode (auch Dinistor fĂŒr Dioden-Thyristor oder BOD fĂŒr Breakover Device): Thyristor ohne Steuerelektrode. Das Bauteil zĂŒndet bei Erreichen einer definierten Durchbruchspannung. Im Gegensatz zum Diac ist die Vierschichtdiode nur in eine Richtung durchlassfĂ€hig.

Neben diesen erwĂŒnschten Bauelementen können sich durch die abwechselnden Dotierungen der n-Kanal- und p-Kanal-Feldeffekttransistoren in CMOS-Halbleiterbauteilen unerwĂŒnschte, sogenannte „parasitĂ€re Thyristoren“ ausbilden. Bei ZĂŒndung dieser Thyristoren durch kurze Spannungsspitzen an den EingĂ€ngen einer CMOS-Stufe (Latch-Up-Effekt) kann es zur Zerstörung des CMOS-Bauteils kommen.

GehÀusebauformen und Leistungsbereiche

‱ PlastikgehĂ€use: Thyristoren fĂŒr Ströme bis zu 25 A und Spannungen bis zu 1600 V werden meist in PlastikgehĂ€usen hergestellt, wie sie auch fĂŒr Leistungstransistoren ĂŒblich sind, etwa TO-220 oder TO-247. Die KĂŒhlfahne liegt dabei auf Anodenpotential; bei TO-247 kann die KĂŒhlflĂ€che auch isoliert sein.
‱ SchraubgehĂ€use: MetallgehĂ€use mit Schraubbolzen und Sechskant fĂŒr Ströme bis zu einigen 100 A. Diese Bauform wird heute nur noch in geringem Umfang verwendet.
‱ FlachbodengehĂ€use: MetallgehĂ€use Ă€hnlich dem SchraubgehĂ€use, jedoch ohne Bolzen und Sechskant. Auch diese Bauform wird nur noch selten verwendet.
‱ ModulgehĂ€use: Bestehend aus metallischer Bodenplatte und Plastik-SpritzgussgehĂ€use. Im Gegensatz zu den bisher beschrieben GehĂ€usen ist hier die KĂŒhlflĂ€che (Bodenplatte) von den AnschlĂŒssen des Bauelements elektrisch isoliert. Meist sind mehrere Thyristoren oder auch Kombinationen von Thyristoren und Dioden in einem gemeinsamen GehĂ€use untergebracht. Sie sind zu einer HalbbrĂŒcke, einer VollbrĂŒcke oder einer DrehstrombrĂŒcke zusammengeschaltet. Ströme bis 800 A und Spannungen bis 3600 V sind möglich.
‱ Scheibenzelle: GehĂ€use erkennbar an zwei planparallelen MetallflĂ€chen fĂŒr Anode und Kathode sowie einem Isolierteil aus Keramik oder Kunststoff. Zwischen den Elektroden befindet sich das Thyristorelement, ein Silizium-Wafer mit einem Durchmesser von bis zu 12 cm. Ströme bis zu 6 kA und Spannungen bis zu 8 kV können erreicht werden. Scheibenzellen werden zum Betrieb zwischen KĂŒhlkörpern mit KrĂ€ften bis zu 130 kN eingespannt, um einen guten elektrischen und thermischen Kontakt zum KĂŒhlkörper, aber auch intern im Bauelement zu erreichen.

Im unteren Bild sind die inneren Bauteile von Thyristoren ohne GehĂ€use zu sehen. Die Siliziumscheiben sind auf Wolframplatten gelötet, deren polierte Böden auf den KĂŒhlkörper gepresst werden. Die Oberseite ist mit Gold bedampft und wird federnd kontaktiert, damit der Kristall bei WĂ€rmeausdehnung nicht zerstört werden kann. In der Mitte der SCR-Scheiben erkennt man den ZĂŒndkontakt.

Durchschnittliche Leistungen

Einsatzgebiete

Kleine Leistung

Thyristoren oder Triacs kleiner Leistung werden in HaushaltsgerÀten zur Drehzahlregelung von Universalmotoren eingesetzt (Staubsauger, Mixer, Handbohrmaschine). In Àhnlicher Weise arbeiten Dimmer zur Lichtsteuerung. Ende der 1970er Jahre wurden sie auch in den Horizontalendstufen und Netzteilen von FernsehgerÀten eingesetzt, spÀter wurden sie von Bipolartransistoren bzw. MOSFETs ersetzt.

In Verbindung mit einer Zener-Diode findet der Thyristor in Klemmschaltungen Anwendung. Im Normalbetrieb sperren Zener-Diode und Thyristor. Wenn die Zener-Spannung der Diode z. B. durch einen Defekt in einem Transformator ĂŒberschritten wird, wird der Thyristor leitend und verursacht einen gewollten Kurzschluss, wodurch die Schmelzsicherung des Netzteils sofort durchbrennt. Dadurch wird verhindert, dass teurere Komponenten im angeschlossenen GerĂ€t durch eine zu hohe Ausgangsspannung zerstört werden.

Mittlere Leistung

Im Leistungsbereich von oberhalb 2 kW finden Thyristoren in zahlreichen industriellen Anwendungen Verwendung. Dabei werden meist Schaltungen fĂŒr den Betrieb mit Drehstrom verwendet. Thyristorsteller ermöglichen als SanftanlaufgerĂ€t das Anlassen von KĂ€figlĂ€ufer-Asynchronmotoren mit kontrollierten Anlaufströmen und Drehmomenten. Ebenfalls mit Thyristorstellern kann die Ausgangsspannung von Hochstrom-Gleichrichtern, etwa fĂŒr die Galvanotechnik, oder von Hochspannungsgleichrichtern, etwa zur Versorgung von Elektrofiltern, geregelt werden. Der Thyristorsteller ist dabei auf der PrimĂ€rseite des Transformators angeordnet, wĂ€hrend auf der SekundĂ€rseite zur Gleichrichtung Leistungsdioden eingesetzt sind. Thyristorschalter fĂŒr Wechselstrom und Drehstrom sind im Aufbau den Thyristorstellern gleich. Die Leistungssteuerung erfolgt hier aber nicht ĂŒber Phasenanschnitt, sondern ĂŒber die Variation des Puls-PausenverhĂ€ltnisses. Sie eignen sich daher nur fĂŒr die Steuerung von Lasten mit großer Zeitkonstante, wie etwa Heizelementen.

Thyristorgleichrichter wurden zur Drehzahlsteuerung von Gleichstrommotoren eingesetzt. Aber auch in vielen modernen Frequenzumrichtern fĂŒr den drehzahlvariablen Betrieb von Drehstrommotoren arbeiten Thyristoren im Eingangsgleichrichter, um eine kontrollierte Aufladung des Gleichspannungszwischenkreises zu ermöglichen.

Anlagen zum induktiven HĂ€rten mit Arbeitsfrequenzen von 5 bis 20 kHz wurden frĂŒher mit Frequenzthyristoren aufgebaut. In dieser Anwendung wurden Thyristoren schon frĂŒh durch IGBTs abgelöst.

Hohe Leistung

Frequenzthyristoren hoher Leistung werden auch heute noch in lastgefĂŒhrten Wechselrichtern im Megawatt-Bereich eingesetzt. Beim Stromrichtermotor arbeitet ein lastgefĂŒhrter Wechselrichter mit einer Synchronmaschine zusammen und ermöglicht so den drehzahlvariablen Betrieb von Turboverdichtern. Auch Anlagen zum induktiven Schmelzen werden bei großer Leistung und Arbeitsfrequenzen bis 1 kHz nach wie vor noch mit Frequenzthyristoren ausgefĂŒhrt.

Drehzahlvariable Antriebe großer Leistung am Drehstromnetz können bei niedriger Drehzahl auch mit Direktumrichtern ausgefĂŒhrt werden. Hier werden mehrere Thyristorgleichrichter so verschaltet und gesteuert, dass ausgangsseitig ein Drehstromsystem mit Frequenzen bis 20 Hz entsteht.

Bei elektrischen Bahnen werden Pulswechselrichter mit Thyristoren sowohl in den Triebfahrzeugen als auch in stationĂ€ren Anlagen eingesetzt. In Triebfahrzeugen ermöglicht der Pulswechselrichter den Einsatz des KĂ€figlĂ€ufer-Asynchronmotors. Zusammen mit dem netzseitigen, ebenfalls als Pulsumrichter arbeitenden Stromrichter, hier als Vierquadrantensteller bezeichnet, ist damit beim Bremsen die EnergierĂŒckspeisung ins Netz möglich. Die Stromrichter der ersten Drehstromlokomotiven Baureihe 120 bzw. Triebköpfe ICE 1 (die ersten 40 Triebköpfe; mittlerweile jedoch umgerĂŒstet auf IGBT) sind dabei noch mit Frequenzthyristoren und Löschkreisen ausgefĂŒhrt, wĂ€hrend in spĂ€teren Serien GTO-Thyristoren zum Einsatz kamen. Inzwischen sind Thyristoren hier durch IGBTs weitgehend verdrĂ€ngt. In stationĂ€ren Anlagen werden Pulswechselrichter mit GTOs und IGCTs zur Kopplung des Bahnnetzes mit dem Landesnetz eingesetzt.

Thyristorgleichrichter großer Leistung werden fĂŒr die Aluminium- und Chlorelektrolyse verwendet.

In Anlagen der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, aber auch in Anlagen zur Blindleistungskompensation werden Thyristoren in der EnergieĂŒbertragung und -verteilung eingesetzt.

Thyristoren haben steuerbare Quecksilberdampfgleichrichter wie Thyratrons, Ignitrons und Excitrons fast vollstÀndig ersetzt.

Zwei-Transistor-Modell

Die Abbildung rechts zeigt das Schema eines Zwei-Transistor-Thyristormodells. Dies wird erreicht, indem die beiden mittleren Schichten entlang der gestrichelten Linie in zwei HĂ€lften geteilt werden, wie in Abbildung dargestellt. Man kann sich die ÜbergĂ€nge J1-J2 und J2-J3 als unterschiedliche pnp-Transistoren und npn-Transistoren vorstellen. Der Kollektorstrom I C {\displaystyle I_{C}} und der Emitterstrom I E {\displaystyle I_{E}} eines Transistors sind im Sperrzustand wie folgt verbunden:

I C = α α ⋅ ⋅ I E + I C B O {\displaystyle I_{C}=\alpha \cdot I_{E}+I_{CBO}}

Dabei ist α α {\displaystyle \alpha } die StromverstĂ€rkung in gemeinsamer Basis eines Transistors und I C B O {\displaystyle I_{CBO}} der Leckstrom in gemeinsamer Basis an der Kollektor-Basis-Verbindung. Im Fall von Transistor Q 1 {\displaystyle Q_{1}} sind Anodenstrom I a {\displaystyle I_{a}} und Kollektorstrom I c {\displaystyle I_{c}} gleich. Daher gilt fĂŒr den Kollektorstrom von Q 1 {\displaystyle Q_{1}}

I C 1 = α α 1 ⋅ ⋅ I a + I C B O 1 {\displaystyle I_{C1}=\alpha _{1}\cdot I_{a}+I_{CBO1}}

wobei α α 1 {\displaystyle \alpha _{1}} die StromverstĂ€rkung und I C B O 1 {\displaystyle I_{CBO1}} in der gemeinsamen Basis ist. In Ă€hnlicher Weise ergibt sich der Kollektorstrom I C 2 {\displaystyle I_{C2}} fĂŒr den Transistor Q 2 {\displaystyle Q_{2}} :

I C 2 = α α 2 ⋅ ⋅ I k + I C B O 2 {\displaystyle I_{C2}=\alpha _{2}\cdot I_{k}+I_{CBO2}}

wobei I k {\displaystyle I_{k}} der Emitterstrom von Q 2 {\displaystyle Q_{2}} ist. Der Anodenstrom I a {\displaystyle I_{a}} entspricht der Summe der bereitgestellten Kollektorströme:

I a = I C 1 + I C 2 {\displaystyle I_{a}=I_{C1}+I_{C2}}
I a = α α 1 ⋅ ⋅ I a + I C B O 1 + α α 2 ⋅ ⋅ I k + I C B O 2 {\displaystyle I_{a}=\alpha _{1}\cdot I_{a}+I_{CBO1}+\alpha _{2}\cdot I_{k}+I_{CBO2}}

Es gilt I k = I a + I g {\displaystyle I_{k}=I_{a}+I_{g}} , wenn Strom an die Gate-Elektrode angelegt wird. Setzt man dies in die obige Gleichung ein, dann erhÀlt man

I a = α α 1 ⋅ ⋅ I a + I C B O 1 + α α 2 ⋅ ⋅ ( I a + I g ) + I C B O 2 {\displaystyle I_{a}=\alpha _{1}\cdot I_{a}+I_{CBO1}+\alpha _{2}\cdot (I_{a}+I_{g})+I_{CBO2}}
I a = α α 2 ⋅ ⋅ I g + I C B O 1 + I C B O 2 1 − − α α 1 − − α α 2 {\displaystyle I_{a}={\frac {\alpha _{2}\cdot I_{g}+I_{CBO1}+I_{CBO2}}{1-\alpha _{1}-\alpha _{2}}}}

Die StromverstĂ€rkung α α {\displaystyle \alpha } eines Siliziumtransistors ist bei niedrigem Emitterstrom extrem niedrig. Mit steigendem Emitterstrom kommt es zu einem schnellen Anstieg. Könnte man den Emitterstrom zweier Komponententransistoren so erhöhen, dass α α 1 + α α 2 {\displaystyle \alpha _{1}+\alpha _{2}} gegen 1 geht, wĂŒrde I a {\displaystyle I_{a}} durch Einschalten des Thyristors gegen unendlich gehen. Sobald der Thyristor leitet, begrenzt eine externe Last den Anodenstrom auf ein sicheres Niveau.cite-ref-4[4]

Siehe auch
Literatur

‱ Dierk Schröder: Leistungselektronische Schaltungen: Funktion, Auslegung und Anwendung. 2. Auflage. Springer, Berlin 2008, ISBN 3-540-69300-9.
‱ Edward L. Owen: History – SCR is 50 Years Old. In: IEEE Industry Applications Magazine. Band 13, Nr. 6, 2007, S. 6–10, doi:10.1109/MIA.2007.907204.
‱ Friedrich-Karl Hinze: Steuerbare Siliziumzellen der AEG. In: AEG-Mitteilungen. Band 53, Nr. 3/4, 1963.
‱ Joachim Specovius: Grundkurs Leistungselektronik. Springer, Berlin 2008, ISBN 978-3-8348-0229-3, S. 73 ff.

Weblinks

Commons

: Thyristors

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Thyristor

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Thyristor – Relais auf elektronisch. In: TechTarget. Abgerufen am 9. MĂ€rz 2025.
‱ Thyristor – Was ist das und wofĂŒr wird er verwendet? In: botland.de. Abgerufen am 9. MĂ€rz 2025.
‱ Thyristors (SCR) and AC switches. In: STMicroelectronics. Abgerufen am 9. MĂ€rz 2025.
‱ Thyristor – Relais auf elektronisch. In: dieelektronikerseite.de. Abgerufen am 29. Oktober 2008.
‱ Thyristor (rĂŒckwĂ€rtssperrende Thyristortriode). In: Elektronik-Kompendium. Abgerufen am 29. Oktober 2008.
‱ Thomas Schaerer: Thyristor-Crowbar: Mit der Brechstange gegen zuviel Spannung! In: Elektronik-Kompendium. Abgerufen am 29. Oktober 2008.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ General Introduction to Thyristors and its Applications, abgefragt am 18. Dezember 2011, engl.
cite-note-22. ↑ Switching or ON OFF Characteristics of SCR or Thyristor | Electrical4U. 26. April 2024, abgerufen am 20. MĂ€rz 2025 (amerikanisches Englisch).
cite-note-33. ↑ Hans-Joachim Fischer, Wolfgang E. Schlegel: Transistor- und Schaltkreistechnik. 4. Auflage. MilitĂ€rverlag der DDR, Leipzig 1988, ISBN 3-327-00362-9.
cite-note-44. ↑ Thyristors - Switching, Two Transistor Model, Advantage, Applications. In: instrumentationtools.com. 20. September 2023, abgerufen am 24. MĂ€rz 2025 (amerikanisches Englisch).